Johannesbote
Fernando Yago Cantó
Leitender Pfarrer
Begrüßung Mai
Der Monat Mai ist für viele von uns einer der schönsten im Jahr: Die Natur steht in voller Blüte, die Tage werden länger, und das Licht des Frühlings erfüllt unsere Straßen und Herzen. Auch im Leben der Kirche ist der Mai eine besondere Zeit – geprägt von tiefer Freude, österlicher Hoffnung und liebevoller Hinwendung zu Maria, der Mutter unseres Herrn.
Der Mai ist traditionell der Marienmonat. In Maria schauen wir auf einen Menschen, der sich ganz für Gott geöffnet hat. Maria sagt ihr „Ja“ zu einem Weg, den sie nicht vollständig überblicken kann – und gerade darin wird sie uns zum Vorbild. Ihr Vertrauen trägt sie durch Freude und Leid, durch Licht und Dunkel. In einer Welt, die oft von Unsicherheit geprägt ist, erinnert uns Maria daran, dass Gott mitgeht, dass er uns nahe ist und dass wir uns ihm anvertrauen dürfen. Vielleicht ist der Mai eine gute Gelegenheit, im Alltag wieder bewusster innezuhalten, eine Kerze zu entzünden, ein Ave Maria zu beten oder einfach still zu werden und Gott unser Herz hinzuhalten.
Gleichzeitig stehen wir noch ganz im Licht der Osterzeit. Ostern ist kein einzelner Tag – es ist eine Wirklichkeit, die unser ganzes Leben prägen will. Christus ist auferstanden! Diese Botschaft ist der Grund unserer Hoffnung. Sie sagt uns: Das Leben siegt über den Tod, das Licht über die Dunkelheit, die Liebe über alles, was uns niederdrücken will. Diese österliche Freude trägt uns – auch dann, wenn unser Alltag schwer ist, wenn Sorgen uns beschäftigen oder wir nach Orientierung suchen.
In diese österliche Zeit hinein feiern wir im Mai zwei große Hochfeste: Christi Himmelfahrt und Pfingsten.
An Christi Himmelfahrt schauen wir darauf, dass Jesus zum Vater zurückkehrt – und doch nicht fern ist. Im Gegenteil: Seine „Himmelfahrt“ bedeutet nicht Abschied im Sinne von Entfernung, sondern eine neue Nähe. Christus ist nicht mehr an einen Ort gebunden. Er ist uns allen nahe – in seinem Wort, in den Sakramenten, in der Gemeinschaft der Gläubigen. Er geht uns voraus, um uns einen Platz zu bereiten. Auch das ist österliche Hoffnung: Unser Leben hat ein Ziel, und dieses Ziel ist Gemeinschaft mit Gott.
Und dann feiern wir Pfingsten – das Fest des Heiligen Geistes. Gottes Geist wird ausgegossen über die Jünger, über die Kirche, über jeden Einzelnen von uns. Dieser Geist schenkt Mut, Kraft und neue Lebendigkeit. Er verwandelt Angst in Vertrauen, Verschlossenheit in Offenheit und Zweifel in Glauben. Pfingsten ist gewissermaßen der Geburtstag der Kirche – und zugleich eine Einladung an uns alle, uns immer wieder neu von Gottes Geist erfüllen zu lassen.
So verbindet der Monat Mai vieles: die zarte, vertrauensvolle Liebe zu Maria, die österliche Gewissheit des Lebens und die kraftvolle Sendung durch den Heiligen Geist.
All das ist keine Theorie, sondern eine lebendige Wirklichkeit für uns heute. Wir sind eingeladen, diese Freude weiterzutragen – in unsere Familien, in unsere Gemeinde, in unseren Alltag.
Vielleicht können wir uns in diesem Mai ganz bewusst fragen: Wo spüre ich die österliche Hoffnung in meinem Leben? Wo darf ich – wie Maria – neu „Ja“ sagen? Und wo ruft mich Gottes Geist, mutig und voller Freude, Zeugnis zu geben?
Möge dieser Monat für uns alle eine Zeit des Aufblühens sein – im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. Christus ist auferstanden – er lebt! Und wir dürfen aus dieser Wahrheit leben, heute und alle Tage unseres Lebens.
Ihr leitender Pfarrer
Fernando Yago Cantó