Johannesbote

MA Anna Firla

Anna Firla
Pastoralreferentin

Das ewige Licht

Liebe Leserinnen und Leser,
manche von uns haben bereits als Kinder und manche im Laufe ihres erwachsenen Lebens erfahren: Ein Tabernakel in einer katholischen Kirche ist die „Wohnstätte Gottes“. Dort werden die in der Eucharistiefeier konsekrierten Hostien aufbewahrt, die nach unserem katholischen Glauben der Leib Christi – das Allerheiligste – sind. Das Brennen des ewigen Lichtes vor dem Tabernakel zeugt von der Gegenwart Gottes.
Als ich vor vielen Jahren bei den Salesianern in Krakau war, bemerkte ich, wie das ewige Licht nicht nur vor dem Tabernakel brannte, sondern auch an einem Ort, wo die Bibel aufbewahrt wird. Durch dieses Zeichen möchten die Salesianer dort ganz bewusst die Aufmerksamkeit der Besucher auf die Gegenwart Gottes in der Bibel lenken.

Der Jesuit Alfred Delp schreibt in einem uns bekannten Gedicht: „Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen … In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.“ – und entzündet in diesen Worten das ewige Licht vor der gesamten Existenz.
Am 19. März feiern wir das Hochfest des heiligen Josef, des Bräutigams Mariens. Mitten in der Stille der Fastenzeit tritt dieser stille Heilige vor uns – einer, von dem die Bibel kein einziges gesprochenes Wort überliefert. Ein großer Schweiger – doch vielleicht gerade deshalb ein großer Träumender, einer, der im Verborgenen hörte, was Gott zu ihm sprach. Einer, der die Gegenwart Gottes durch die Träume in seinem Inneren erfahren durfte.

Dreimal spricht im Matthäusevangelium der Engel des Herrn im Traum zu Josef. In der Stunde tiefster Verwirrung, als Maria, seine Verlobte, ein Kind durch die Kraft des Hl. Geistes erwartet (Mt 1,18-25); in der Nacht der existenziellen Gefährdung, als Herodes das Jesuskind töten will (Mt 2,13-15); und schließlich, als die Lebensgefahr für das Kind vorüber ist und die Heimkehr nach Israel möglich wird (Mt 2,19-23).
Josefs Träume sind alles andere als „einfach“. Die „Stimme“, die er in seinem Inneren vernimmt und für Gottes Gegenwart hält, verlangt von ihm viel ab: Das Überdenken und Aufgeben der eigenen Pläne, das Weiten seiner Ansichten und Grenzen, das Aushalten tiefer existenzieller Ängste und Spannungen, Enttäuschungen und andere Strapazen… Bewundernswert an Josef ist, dass er bei all dem nicht erstarrt – was menschlich legitim wäre – sondern fokussiert und handlungsfähig bleibt.

Wie ist das möglich?! Wie kann Josef das ewige Licht in seinem Inneren immer noch brennen lassen?
Josef ist in Kontakt mit den Tiefenschichten seines Wesens, er ist in Beziehung mit sich selbst, sodass er seiner inneren Bewegungen gewahr wird, die innere Stimme als die Stimme Gottes identifiziert und bereit ist, sich auf ihre Leitung einzulassen. Josef bleibt innerlich achtsam, offen und flexibel. Er vertraut den Wesensimpulsen aus seinem Inneren.

Was könnte das für mich bedeuten? Was kann ich vom Josef lernen?

Wer lange die Wesensimpulse aus seinem Inneren überhört – unabhängig davon, ob sie ihn über Träume oder auf anderem Weg erreichen - , wer lange den Wesensimpulsen aus seinem Inneren nicht gefolgt ist, kann die Orientierung für sein Leben verlieren. Gottes Gegenwart wird in Josef und durch ihn sichtbar und wirksam. Es bleibt für mich zum Schluss die offene Frage – möchte ich, dass Gottes Gegenwart sich auf mein Leben und das Leben meiner Mitmenschen und meiner Mitwelt auswirkt?

Anders gefragt: Möchte ich das ewige Licht in meinem Inneren brennen lassen?

Ich lade Sie/Euch herzlich ein, dieser Frage nachzugehen, und wünsche eine von Gottes Gegenwart erfüllte Fastenzeit und stille Kartage.

Ihre/Eure Pastoralreferentin
Anna Firla

Liebe Leserinnen und Leser,

wir freuen uns auf Ihre Beiträge für unseren Pfarreibrief. Diese können Sie uns gerne per E-Mail zukommen lassen. Bitte beachten Sie den jeweiligen Termin für den Redaktionsschluss am 10. des Vormonats.

Einsendung via:

johannesbote@hl-johannes23.de

Ausgaben 2026

Zum Johannesboten-Archiv