Johannesbote

Fernando Yago Cantó

Frank R. Felgner
Pfarrvikar

Begrüßung Juni

Liebe Gemeinde, 
während ich diese Zeilen für Sie schreibe, ist es Anfang Mai. Ich bin noch ganz erfüllt von den Eindrücken unserer Ghana-Reise, die wir mit einer Gruppe in Stephens Heimatland gemacht haben, um dort die Projekte zu sehen, die wir seit Jahren unterstützen. Im Juni wird es zwei Abende in Salvator und St. Theresia geben, an denen je ein Vortrag über diese Reise zum Miterleben angeboten werden wird.

Ein einziges Foto kann keinen Ausdruck von dem Erlebten geben, aber das hier abgebildete Symbol, das sowohl in vielen Kirchen in verschiedenen Variationen zu sehen ist, hat seinen Bekanntheitsgrad ebenso in der Gesellschaft. Es heißt Gye Nyame, (gesprochen: Djiname) und bedeutet: Gott, der Allmächtige oder Gott ist allmächtig. Ein sehr eindrückliches Symbol, das die tiefe Verbundenheit der ghanaischen Kunst und Kultur mit einer philosophischen Grundhaltung der Menschen und deren Symbolik verdeutlicht. Es ist der Ausdruck einer ständigen Kommunikation mit den unsichtbaren Aspekten des Lebens. Für Ghanaer gibt es keine Lage des Daseins, die ohne Verbindung zur Erde und zum Universum besteht, und diese Verbindung wird mittels vielfältiger Symbole dargestellt. Eines davon ist eben Gye Nyame. Gerade für uns Christen ein echtes Glaubensbekenntnis in einer anderen Kultur derselben Religion. 

Unsere beständige Kommunikation mit den unsichtbaren Aspekten des Lebens, oder besser mit dem Unsichtbaren und dennoch Gegenwärtigen, findet seinen Ausdruck in den Formen des Gebets, unserer Gottesdienste und natürlich in unserem oft so banalen Alltag. 
Einen, der von dieser Beziehung und seiner tiefen Verbundenheit mit dem unsagbaren Geheimnis Zeugnis abgelegt hat, feiern wir in diesem Monat. Es ist das Geburtsfest Johannes des Täufers am 24. Juni. Die Geburt des Täufers, die im Lukasevangelium beschrieben wird, ist mit verschiedenen Begleitumständen verbunden. Sogar die Verwandten und Nachbarn bemerken, dass hier etwas Besonderes geschieht. Schon die Empfängnis des Johannes in der bejahrten Elisabeth zeigt, dass diese Geburt nicht nach dem bekannten Schema F erfolgt. Es beginnt etwas Neues. Auch der Vater, Zacharias, der als Priester am Tempel Dienst tut, wird durch das Eingreifen Gottes in sein Leben völlig sprachlos. Dass Gott ausgerechnet in seinem Leben Neues bewirkt, ist für ihn nicht in Worte zu fassen.

Doch Johannes, dessen Name „Gott hat Erbarmen“ bedeutet, ist nicht einfach ein Abziehbild seiner Vorfahren. In seiner Person zeigt sich, welches Erbarmen Gott nicht nur mit den Eltern gehabt hatte, sondern wie es sich auf die ganze Menschheit auswirken sollte. Die Individualität des Täufers ist eng mit seiner Lebensaufgabe verknüpft. Der Gott, der Erbarmen hat, wird in der Geschichte tätig durch den, dessen Name „Gott rettet“ bedeutet – Jesus Christus. Diesem den Weg in die Herzen der Menschen zu bahnen, ist seine Aufgabe.

So wie Zacharias seinen Sohn freigab für die Aufgabe, die Gott ihm übergeben hat, und damit seine Sprache wiederfand, werden auch wir die Sprache finden, die Zukunft eröffnet, ob es nun deutsch, englisch oder die Ashantisprache in Ghana ist. Das ist die Frohe Botschaft, die auch uns gilt, eine Chance des Lebens, dass wir mehr sein können, als bloß die Erfüllung der Erwartung anderer an uns. Die Liebe des allmächtigen Gottes geht weit darüber hinaus. Auch an uns erweist sich das Erbarmen und die Zuwendung Gottes, um seine Zeugen in Europa, Afrika, Asien, eben in der ganzen Welt zu sein und damit Wegbereiter zu den Herzen der Menschen. Das ist unsere Aufgabe – eines jeden von uns. 

In herzlicher Verbundenheit
Pfarrer Felgner

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