Liebe Leserinnen und Leser,

wir freuen uns auf Ihre Beiträge zum Johannesboten der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. Tempelhof-Buckow.
Diese können Sie uns gerne per Mal zukommen lassen. Bitte beachten Sie den jeweiligen Termin für den Redaktionsschluß am 10. des Vormonats.

Arduino Marra
Pfarradministrator

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist ein Jahr seit der ersten Erscheinung dieses Pfarrheftes. Zugleich ist es auch (fast) ein Jahr her, seitdem die Pfarrei Hl. Johannes XXIII. errichtet worden ist. Sie ist neu und ganz anders strukturiert als die vier alten Pfarreien. Gewohntes ist plötzlich nicht mehr da. Neue Abläufe sind umständlich, an mancher Stelle nicht nachvollziehbar. Die Nähe zu den Seelsorgerinnen und Seelsorger scheint nicht mehr gegeben zu sein. Die Ehrenamtlichen fühlen sich allein gelassen, sind orientierungslos.

Und doch gab es während der letzten Monaten Gelegenheiten, neue Kontakte zu schließen, wieder Feste feiern zu können, Begegnungen in den Kreisen wieder zu beleben. Hie und da zeigen sich auch Neuaufbrüche. Darüber wurde in den vergangenen Ausgaben dieses Blattes berichtet.

Noch lieg ein langer weg vor uns. Wir ringen um die Neugestaltung der Pfarrei, um die Zuordnung der einzelnen Gemeinden, um die Umsetzung der Hinweise aus dem Pastoralkonzept. Wie sollen wir, wie wollen wir Kirche sein?

Bei aller Suche nach neuen Formen und Wegen, wie alle Getaufte an der Sendung mitwirken können und wie die engagierten Gläubigen tatkräftig dazu beitragen können, dass das Licht der Völker, nämlich Jesus Christus („Lumen Gentium“) auf das Antlitz der Kirche widerscheine, sind die Worte wegweisend, die Mario Kardinal Bergoglio im Februar 2013 zu den im Konklave versammelten Kardinälen sprach:

„Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus. In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen. Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten.“

Wenn wir als Kirche, d.h. als Gemeinschaft aller Getauften – ob haupt- ehrenamtlich- oder zeitweise kaum tätig – uns nicht verstärkt auf die Stimme des Geistes besinnen und den Charismen keinen Raum gewähren, wenn wir den Mut nicht aufbringen, aufzubrechen, droht uns der Verlust unserer Bestimmung: die Liebe Gottes für die Menschen sichtbar zu machen. Von Anfang an ist der Auftrag der an Christus Glaubenden, überall und in allen Zeiten zu verkünden in Wort und Tat, in der Art zu leben und zu sterben: Gott hat die Menschheit so sehr geliebt, dass er selbst die menschliche Natur annehmen wollte.

Bergoglio im O-Ton: „Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt - ohne dass es ihr bewusst wäre - dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das ‚Geheimnis des Lichts‘ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der ‚geistlichen Mondänität‘ Raum (nach Worten de Lubacs das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern. (…) Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das ‚Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet‘; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.“ (Mario Kard. Bergoglio im Februar 2013).

Wir feiern an Weihnachten und an Epiphanie das Geheimnis der Menschwerdung Gottes. Das heißt, dass Gott unter uns sein, in uns Gestalt annehmen will, damit dieses SEIN Licht in uns und durch uns aufleuchte. Der springende Punkt ist, ob wir es ihm erlauben oder nicht; ob wir es wirklich wollen oder doch meinen, selbst erleuchtete und leuchtende zu sein.

Mir haben sich die Bilder vom letzten 11. November stark eingeprägt. Ganz viele Martinszüge fanden auf den Straßen unserer Pfarrei statt. Viele Kinder mit bunten Laternen brachten durch ihre Lichter eine heitere Stimmung. Ich wünsche uns allen, mehr und mehr Laternen werden zu können, in denen das göttliche Licht haust, damit wir in der Welt eine tröstende und erfreuliche Stimmung verbreiten können.

Frohe und besinnliche Tage wünscht Ihnen
Ihr Pfr. Arduino Marra